Leipziger “Blutnacht”
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Brot und Spiele für Jugendliche? - Nein!
Meine persönliche Favoritenliste albtraumhafter Begebenheiten wird seit geraumer Zeit von der unter den Veranstaltern immer weiter um sich greifenden Unsitte angeführt, Jugendlichen, mittels "Aufsichtsperson" und entsprechender schriftlicher Erlaubnis der Erziehungsberechtigten, Zutritt zu Diskotheken und anderen Veranstaltungen zu gewähren.
Dass die häufig gerade mal volljährigen Aufsichtspersonen eine Stunde später ebenso besoffen wie ihre Schutzbefohlenen herumlaufen und diese fleißig mit hochprozentigen Getränken versorgen, da sie ja de jure nur Bier und dergleichen konsumieren dürfen, scheint hierbei nicht wirklich zu stören. Jegliche Argumentations- und Erklärungsversuche schlagen fehl, da pflichtvergessene Eltern und gewinnsüchtige Veranstalter die Ursachen des Übels darstellen - ebenso wie der gesellschaftlich viel zu laxe und akzeptierte Umgang mit dem Gift Alkohol.
Mit den Ergebnissen müssen "wir" uns jedes Wochenende erneut, und mitunter nicht nur im philosophischen Sinne des Wortes, herumschlagen. Mit der Enthemmung durch den Alkohol offenbart sich stellenweise noch häufiger das, was weiterhin symptomatisch für weite Teile der heutigen Jugend ist: Respektlosigkeit. Wozu so etwas bisweilen führen kann, wurde unlängst wieder dargelegt: Theater im Laden, eine Gruppe besoffener Jugendlicher und Halbstarker stänkerte rum. Die Jungs vor die Tür gebracht, Beschimpfungen, kurze Rangeleien, Hausverbote. Unvermittelt erhielt ein Kollege eine Flasche über den Kopf, es mündete in einer Schlägerei mit diesen Gören. Das Resultat waren vorerst recht ungläubige Blicke der Polizeibeamten, als wir ihnen den Sachverhalt erläuterten und die Anzeigen geschrieben wurden. Das spätere Gerichtsverfahren bezeugte zwar die Rechtmäßigkeit unserer Notwehrhandlung, aber es ist schon eine merkwürdige Erfahrung, den Eltern von 16, 17 und 18jährigen Gören erklären zu müssen, wie ihre Zöglinge an dem Abend tickten. Zu meinem absoluten Unverständnis führte zudem der Umstand, dass ein siebzehnjähriger Bengel der Sohn eines Mitarbeiter des ortsansässigen Jugendamtes war!
Noch perverser wird es dann, wenn die gleichen Gören Wochen später erneut mit irgendwelchen Wischen ihrer Eltern vor der Tür stehen und in einer absoluten Unverfrorenheit Eintritt verlangen. (Das dieses nicht zugelassen wurde, versteht sich von selbst.)
Um aber nicht päpstlicher als der Papst zu wirken: Auch ich war mal jung und habe mir auf alle erdenklichen Arten den Zutritt zu Veranstaltungen erschlichen bzw. den Versuch unternommen. Auch ich trinke Alkohol und auch hier waren Situationen dabei, wo es eindeutig zu viel war. Gleichfalls will ich nicht die "Früher war alles besser"-Platte auflegen, denn das war es nicht - es war nur anders. Aber all dies ändert nichts daran, dass frühere Ausnahmen heute die Regel darstellen und die Gesamtentwicklung keineswegs besser geworden ist.
Immerhin, nach diversen Streitgesprächen hat zumindest ein Veranstalter mal meinen Vorschlag aufgegriffen, nur noch Personen ab 21 Jahren den Zutritt zu gewähren (vorerst an einem Öffnungstag in der Woche). Das Ergebnis ist ein wesentlich ruhigerer Laden und alles andere als gesunkener Umsatz. Wenngleich dieses wiederum nicht die Regel sondern Ausnahme bleiben wird, ist es für mich doch der Beweis, dass es anders gehen kann. Dass hierdurch das gesellschaftlich einhergehende Problem nicht gelöst wird, ist zwar klar, aber diesen Anspruch stelle ich auch nicht. Mein Verantwortungsbereich ist die Tür und alles dahinterliegende. Um den Rest sollen sich andere kümmern.
Ein bißchen Spass muss sein …
Es gibt Veranstaltungen, wo man aufgrund der Erfahrung schlichtweg weiß wie der Abend laufen wird. Beispielsweise Metal- oder Gothic-Parties sind aufgrund des homogenen Publikums eher als friedlich und entspannt einzustufen, wohingegen Black- oder House-Parties aufgrund der heterogenen Mischung als etwas "arbeitsreicher" zu bezeichnen wären.
Spannend wird es jedoch, wenn, wie vor einiger Zeit geschehen, eine Gruppe testosterongeschwängerter Südländer im "Gangsta"-Lock Einlass in einen Laden wünschen, wo sie aufgrund der Erfahrungswerte früherer Zeiten keinen Zutritt mehr haben und wo zudem noch eine Veranstaltung der "besonderen Art" stattfindet.
Tür: "Sorry Jungs, für euch wird das heute nichts. Wir denken nicht, dass ihr hier reinpasst."
Gruppe: "Ey, was soll das? Nur weil wir schwarze Haare haben oder was?"
Tür: "Es geht darum, dass diese Veranstaltung nicht für euch ausgelegt ist. ... Wobei wir uns da natürlich auch täuschen können!"
Gruppe: "Was soll das heißen? Wenn wir rein wollen, kommen wir auch rein. Ihr seid nur zu zweit."
Tür: "Das mag sicherlich stimmen, dennoch denken wir, dass diese Veranstaltung nichts für euch ist. Aber wie gesagt, wir können uns natürlich auch täuschen."
Gruppe: "Was jetzt, lasst ihr uns rein oder was?"
Tür: "Nun gut, jeder wie er meint. Wir hätten nur nicht gedacht, dass ihr homosexuell seid."
Gruppe: "Was sagst du, Alter? Sagst du wir sind schwul oder was?"
Tür: "Nun, so nachdrücklich wie ihr auf eine Schwulenparty wollt, kann man das wohl annehmen, oder nicht?!"
Als dann noch zur kompletten Weltbildzerstörung der Herrschaften eine Drag-Queen um die Ecke bog und schnurstracks auf den Eingang zumarschierte, war die Luft vollends raus, die Truppe zog ohne weitere Worte von dannen und ward nicht mehr gesehen. Es wurde selten so gelacht, wie an dem Abend ![]()
“Schöne Premiere”
So, da war es also wieder: Neuer Laden (über den man bereits nicht viel Erfreuliches hören durfte), ein Teil der alten Besetzung und weitestgehend unbekanntes Publikum. Demnach: Es versprach ein durchaus "interessanter" Abend zu werden.
Der erste Eindruck bei Betrieb sollte die Erwartungen dann auch vollends erfüllt sehen: Es war dreckig, dunkel, stinkend und die ein oder andere Konzeptionslosigkeit fiel gleichwohl auf. Der Empfang der Kollegen war jedoch überaus herzlich und so dauerte es auch nicht lange, bis ich in die Abgründe vergangener Tage eingeweiht wurde. Von Attacken mit Beilen und Messern war die Rede, von Schwerstverletzten und insbesondere zwei ethnischen Gruppen - namentlich Türken und Russen - die beständig Eintritt ersuchen würden, jedoch regelmäßig in Auseinandersetzungen verwickelt seien. Alles in allem also: Nicht wirklich besonders neue Erkenntnisse, wenn man von der Heftigkeit der ausgetragenen Auseinandersetzungen mal absieht.
Der Abend dümpelte vor sich hin, bisweilen traten Vertreter der jeweiligen Gruppen in Erscheinung und versuchten ihr Glück. So schien sich eine gewisse Veränderung an der Tür herumgesprochen zu haben, weswegen man ja mal schauen musste, ob es jetzt nicht doch klappen könnte. Die Ernüchterung trat bei den Herrschaften jedoch recht schnell ein, was bei dem ein oder anderen zu einem gewissen Unmut führte.
So dauerte es dann auch nicht lange und es war eine gewisse Gruppenbildung zu beobachten, da unsere "ausländischen Mitbürger" offensichtlich auch mit Mobiltelefonen umgehen können und somit binnen kurzer Zeit ihre "Kollegas" auf die Bühne traten. Schließlich kann nicht sein, was nicht sein darf, hat man doch das vermeintliche Recht für sich gepachtet, überall dort hineinzugehen, wo man unerwünscht ist.
Nun denn, der erneute Versuch eines schwarzköpfig-gegeelten Protagonisten wurde freundlich aber bestimmt unterbunden, was dieser mit "Bastard", "Hurensohn" und sonstigen unflätigen Bemerkungen beantwortet. Von der Sache her also auch nicht wirklich etwas neues im Repertoire, aber immer wieder gehört. Eine Minute später geht die Tür erneut auf, der Ostanatolier steht wieder da, die rechte Hand hinter seinem Rücken. "Was hassu gerade gesagt?", "Arschloch!" ... ob der Erfahrung, die man im Laufe der Zeit gesammelt hat, war nunmehr klar, dass der von unserem lieben Kulturbereicherer mit Migrationshintergrund erwünschte Dialog nicht ganz zu einem gemeinsamen Konsens führen würde.
Ergo: Er flog aus der Tür.
Bei seinem Flug rücklings gen Strasse, schließlich musste ja irgendwie das Gleichgewicht bewahrt werden, offenbarte sich auch das, was er hinter seinem Rücken versteckt hatte: Ein Messer.
Hier zeigte sich mir wieder auf sehr deutliche Weise, dass
1. die Entscheidung, solche Leute vor der Tür zu lassen, richtig ist und
2. es vielfach nur mit Glück, einem gewissen Maß an Erfahrung und Instinkt zu tun hat, wenn man kein Messer fängt.
Besonders erfreut bin ich in diesem Zusammenhang natürlich auch über das neue Waffenrecht in der BRD. Künftig darf man nur noch mit Klappmessern unter 8,5cm Klingenlänge abgestochen werden. Und, was natürlich auch toll ist: Schlag- und Hiebwaffen, wie bspw. ein schöner Camlock EKA (Einsatzstock Kurz Ausziehbar), dürfen ab dem 1.4. nicht mehr "zugriffsbereit" geführt werden.
Aber, liebe Leser, soll ich euch etwas sagen? Ich scheiss' drauf! Es ist mir egal!
Bevor ich mich abstechen lasse, nehme ich lieber ein Dutzend Ordnungswidrigkeitenanzeigen in Kauf um für den Fall der Fälle ein geeignetes Mittel zur Gegenwehr parat zu haben und einem lebensbedrohlichen Angriff konsequent begegnen zu können, wozu eben mein EKA gehört.